Wenn die Verletzung verheilt ist – du aber trotzdem anders belastest

Die Verletzung ist längst verheilt. Du bewegst dich im Alltag wieder ganz normal, gehst arbeiten und vielleicht machst du sogar wieder Sport. Eigentlich scheint alles wieder wie vorher zu sein.

Und trotzdem kommen Beschwerden immer wieder.

Ein möglicher Grund kann in etwas liegen, das viel weniger offensichtlich ist: Nach einer grösseren oder schmerzhaften Verletzung kann eine unbewusste Unsicherheit gegenüber Bewegung oder Belastung zurückbleiben.

Du kannst aktiv sein – und trotzdem unbewusst schonen

Bewegungs- oder Belastungsangst bedeutet nicht zwangsläufig, dass du Bewegung vermeidest oder keinen Sport mehr machst.

Im Gegenteil: Du kannst wandern, joggen, Krafttraining machen oder deinem gewohnten Sport nachgehen und trotzdem das ehemals verletzte Körperteil in bestimmten Situationen nicht mehr ganz selbstverständlich belasten.

Der Knackpunkt liegt häufig im Detail – und manchmal gerade im Alltag.

Vielleicht verlagerst du beim Aufstehen unbewusst etwas mehr Gewicht auf die andere Seite. Vielleicht benutzt du ein Bein beim Treppensteigen anders, vermeidest bestimmte Gelenkstellungen oder beziehst das ehemals verletzte Körperteil weniger selbstverständlich in eine Bewegung ein.

Auch die Wahrnehmung für diesen Bereich kann sich verändert haben: Er wird möglicherweise weniger bewusst wahrgenommen oder angesteuert, ohne dass dir das im Alltag auffällt.

Unser Körper lernt aus schmerzhaften Erfahrungen

Nach einer Verletzung ist Schutz zunächst etwas Sinnvolles. Wir entlasten, verändern Bewegungen und vermeiden Belastungen, die Schmerzen verursachen.

Schwierig kann es werden, wenn Teile dieser Schutzstrategie bestehen bleiben, obwohl die eigentliche Verletzung längst verheilt und Belastung grundsätzlich wieder möglich ist.

Das geschieht nicht unbedingt bewusst.

Im Alltag können solche kleinen Anpassungen lange gut funktionieren. Wir finden andere Möglichkeiten, eine Bewegung auszuführen, verlagern Belastung oder lassen andere Körperbereiche mehr Arbeit übernehmen.

Deshalb müssen zunächst weder deutliche Einschränkungen noch grössere Beschwerden entstehen.

Wenn aus einer kurzfristigen Schutzstrategie ein langfristiges Muster wird

Bleiben solche Bewegungs- und Belastungsmuster über längere Zeit bestehen, kann sich verändern, wie Belastung innerhalb des Körpers verteilt wird.

Das bedeutet nicht, dass jede alte Verletzung zwangsläufig Jahre später neue Beschwerden verursacht.

Bei wiederkehrenden Beschwerden kann es jedoch sinnvoll sein, genauer hinzuschauen: Belastest du den ehemals verletzten Bereich tatsächlich wieder selbstverständlich – oder hat dein Körper eine Schutzstrategie beibehalten, die dir gar nicht mehr bewusst ist?

Dabei lohnt sich nicht nur der Blick auf das ursprünglich verletzte Gelenk. Auch benachbarte Bereiche können über längere Zeit andere oder zusätzliche Aufgaben übernehmen.

Aktiv sein ist nicht dasselbe wie Belastung vertrauen

Genau deshalb reicht die Aussage „Ich mache doch wieder Sport“ nicht immer aus.

Die entscheidende Frage kann vielmehr sein:

Vertraust du deinem Körper und dem ehemals verletzten Bereich wieder so weit, dass du ihn selbstverständlich in Bewegung und Belastung einbeziehst?

Wenn nicht, braucht es möglicherweise nicht einfach noch mehr oder noch spezifischere Übungen.

Es kann zunächst darum gehen, Wahrnehmung und Vertrauen in Belastung wieder aufzubauen und dem Körper schrittweise neue Erfahrungen zu ermöglichen:

Belastung wahrnehmen.
Belastung zulassen.
Belastung dosieren.
Belastbarkeit aufbauen.

Das Ziel ist dabei gerade nicht, jede Bewegung dauerhaft zu analysieren oder zu kontrollieren.

Im Gegenteil.

Das ehemals verletzte Körperteil soll wieder zu einem selbstverständlichen Teil deiner Bewegung werden.

Wenn deine Beschwerden immer wiederkommen

Vielleicht ist deine frühere Verletzung medizinisch längst abgeschlossen. Vielleicht bist du aktiv und hast trotzdem das Gefühl, mit deinen wiederkehrenden Beschwerden nicht wirklich weiterzukommen.

Dann kann es sinnvoll sein, nicht nur danach zu fragen, wo es weh tut, sondern auch danach, welche Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Belastungsmuster dein Körper über die Zeit entwickelt hat.

Ob eine unbewusste Schutz- oder Belastungsstrategie bei deinen Beschwerden tatsächlich eine Rolle spielt, lässt sich jedoch nicht aus einem Blogartikel ableiten. Dafür braucht es den Blick auf deine individuelle Geschichte und deinen Körper.

Deine individuelle Mustererkennung im 1:1

In einer 1:1 Session schauen wir deshalb gemeinsam genauer hin. Ein Fragebogen hilft uns zunächst, mögliche Zusammenhänge und Muster aus deiner Vorgeschichte sichtbar zu machen. Im persönlichen Termin ergänzen wir diese Informationen durch das Gespräch und eine körperliche Untersuchung.

So können wir herausfinden, welche Zusammenhänge bei dir tatsächlich relevant sein könnten und wo dein weiterer Weg sinnvoll ansetzen kann.


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